Kilianskapelle Büchenwerra

Kulturelles in der Kapelle

Killanskapelle in Büchenwerra

Am Ort soll der heilige Kilian als Wanderbischof, der Überlieferung nach bereits um 680 eine Kapelle errichtet haben, die Kilianskapelle, welche bei der Gründung von Büchenwerra im 11. Jahrhundert zum Dorf gehörte.
Im Laufe der Jahrhunderte verschwand die Kapelle und wurde nicht wieder errichtet.

Der Verein „Kilianskapelle Büchenwerra“ hat am Ort wieder eine kleine Kapelle nahe der Fulda am Hessischen Radfernweg erbaut."

Am Sonntag, 19. September 2010 wurde die Kilianskapelle in Büchenwerra eingeweiht.

 

Dem Dorf eine Seele geben
Möge sie immer zum Frieden mahnen
Über 200 Menschen bei der Glockenweihe in Büchenwerra
Von Manfred Schaake
Büchenwerra. Mit einem feierlichen Gottesdienst und einem Fest rund um die Kilianskapelle ist am Sonntag die neue Glocke geweiht worden. Über 200 Menschen waren gekommen. Es war ein Tag der Freude und des Danksagens. Die Glocke mit der Inschrift “Dem Dorf eine Seele geben” war Ende April in Karlsruhe gegossen und aus Spenden finanziert worden. Der Kapellenchor unter Leitung von Bärbel Peter und der Posaunenchor Wollrode unter Leitung von Emil Jung sorgten für den musikalischen Rahmen.
Die Festgemeinde blickte vor dem herbstlich gefärbten Wald der Sonne entgegen und war gut gelaunt. “Alle haben diesen schönen Herbsttag verdient”, sagte Pfarrer Frithjof Tümmler, der den Gottesdienst mit seiner Frau Sabine – Dekanin in Homberg – gestaltete. Dass die Glocke immer zur Freude der Menschen und zur Ehre Gottes läuten und immer zum Frieden mahnen möge – das wünschte das Seelsorger-Ehepaar. Mit der Widmung der Glocke sei die lange Bauzeit von über zehn Jahren beendet. Der Tag der Glockenweihe am 9. November sei “ein großes Datum”, hieß es mit Blick auf den Ausruf der deutschen Republik und der Räterepublik 1918 in Berlin, auf die Reichspogromnacht 1938 und auf den Fall der Mauer vor 25 Jahren.
In allen Kulturen und fast allen Religionen spielen Glocken eine wichtige Rolle, sagte der Pfarrer. Die Instrumente mit besonderem Klang und besonderem Geist träfen die Menschen im Gefühl. Frieden und Freiheit seien große Geschenke, “die wir bewahren sollten”, sagte Sabine Tümmler. Glocken rufen nach ihren Worten auch dazu auf, für Frieden und Freiheit und damit auch für Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe einzutreten. Oft seien Glocken für Bomben und Kanonen eingeschmolzen worden: “Umso mehr mahnen sie uns heute mit ihrem Klang, sich allem Hass und aller zerstörenden Gewalt entgegenzusetzen.”
Dem Dorf eine Seele geben – das sei das Motto über dem Kapellenbau gewesen. Pfarrer Tümmler: “Eine Kapelle gibt dem Heimatgefühl der Menschen einen besonderen Ort und verbindet die Welt der Menschen mit Gott. Sie bringt Göttliches und Menschliches zusammen. Und nun haben wir unserer Glocke das Motto als Inschrift eingegossen.” Der Pfarrer wünschte, dass das Geläut der Glocke zur Hoffnung, zum Trost, zur Mahnung, zum Frieden erklingen und Einheimische, Wanderer und Radler stets zum Gebet, zur Stille und zur Einkehr rufen möge.

Bärbel Peter: Nach vielen Klippen das Tüpfelchen auf dem i
Die Glocke war bereits am 15. Juni in der Glockengießerei abgeholt worden und sollte am 20. Juli geweiht werden. “Noch viele Klippen mussten im letzten halben Jahr umschifft werden”, sagte Bärbel Peter, die Vorsitzende des Vereins Kilianskapelle. Nun sei die Glocke das Tüpfelchen auf dem i. Jetzt könne man die bereits im Jahre 2010 eingeweihte Kapelle als Bauwerk, als Kunstwerk würdigen. Unter den vielen Besuchern seien bisher nicht wenige Fachleute für Baukunst und Kunstsachverständige gewesen. Alle seien einhellig der Meinung gewesen, “dass die Kilianskapelle als ein Kleinod im heutigen Kirchen- und Kapellenbau anzusehen ist”.
Die Kapelle sei kein Fremdkörper in der Natur, sondern füge sich harmonisch ein. Der “Glockenturm” sei – wie vieles in der Kapelle – nur angedeutet, sagte Bärbel Peter. Die Mauerscheibe, der Glockenturm, sei Anker einer Stahlkonstruktion, die wie ein starker, schützender, überdachender Arm die Glocke einhüllend halte. Die Glocke wende sich mit ihrem Geläut zum Dorf, zu den Menschen, und rufe: “Euch rufe ich zum Gottesdienst. Ihr sollt in Eurem Tagesablauf erinnert werden, immer wieder aufs Neue zu versuchen, in Frieden und Eintracht zu leben.” (m.s.) Fotos unter hna.de melsungen/Fotostrecken.

Das sagt der Bürgermeister
Mit der Glockenweihe gehe ein lang gehegter Wunsch der Menschen in Erfüllung, sagte Bürgermeister Edgar Slawik im HNA-Gespräch. Die Glockenweihe sei die Krönung der Dorferneuerung in Büchenwerra. Weiter sagte der Bürgermeister: “Ein Gedanke der Dorferneuerung ist, nicht nur Bauprojekte zu realisieren, sondern auch die Dorfgemeinschaft zueinander finden zu lassen. Das ist in Büchenwerra beispielhaft gelungen. Über eine Ideenwerkstatt, neue Projekte zu entwickeln, ist die Kilianskapelle entstanden. Sie ist in einer Zeit, in der eher Kirchen geschlossen werden, ein Zeichen für Neubeginn und Mut. Und sie ist ein Symbol des Einig seins.” (m.s.)

Das sagt der Dekan
“Gottes Segen für Ihren Festtag und herzlichen Dank für das große Engagement Ihres Vereins.” Das hat der Dekan des Kirchenkreises Melsungen, Norbert Mecke, dem Verein Kilianskapelle geschrieben. Das Grußwort wurde zu Beginn des Gottesdienstes verlesen. Wegen eines parallel stattfindenden Taufgottesdienstes konnte Mecke nicht nach Büchenwerra kommen. In der HNA, so schreibt er, habe er “die schönen Berichte über den Guss und Transport Ihrer Glocke gelesen: “Schön, dass die Glocke dazu beiträgt, wie es in ihrer Inschrift heißt: Dem Dorf eine Seele geben.” In diesem Sinne hatte Mecke “einen rundum beseelten Gottesdienst” gewünscht. (m.s.)

HINTERGRUND
Glocke läutet morgens, mittags und abends
Die Glocke der Kilianskapelle muss vorerst mit der Hand geläutet werden, weil erst noch eine neue Stromleitung verlegt werden muss. Erklingen wird die Glocke künftig bei freudigen und traurigen Anlässen wie Hochzeiten, Taufen, Gottesdiensten, Andachten und bei Beerdigungen. Pfarrer Frithjof Tümmler: “Die Glocke gibt unserem Schmerz ihre Stimme und sie jubelt mit unserem Glück.”
Wie die Vorsitzende des Vereins Kilianskapelle, Bärbel Peter, ankündigte, wird in Anlehnung an alte, ländliche Tradition künftig um 8 Uhr zum Arbeitsbeginn, um 12 Uhr zur Mittagspause und um 18 Uhr zum Feierabend geläutet. Übrigens: In Rhünda und Harle erklingt um 21 Uhr eine Glocke zum „Gute Nacht-Läuten“. (m.s.)

19 Büchenwerraer erlebten Guss der Glocke

Großer Tag für ein kleines Dorf:
19 Bürgerinnen und Bürger aus Büchenwerra haben in der Glockengießerei Bachert in Karlsruhe den Guss der neuen Glocke für die Kilianskapelle miterlebt. Die Glocke soll am 15. Juni mit einem Zug durch das Dorf feierlich empfangen und am 20. Juli geweiht werden. Das hat Bärbel Peter, die Vorsitzende des Vereins Kilianskapelle, im HNA-Gespräch angekündigt.
Für die Gäste aus dem 180-Selle-Dorf war der Glocjkenguss ein einmaliges Erlebnis. Die Bronze – 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn – brodelt im Ofen. Die Besucher warten gespannt. Fest gemauert in der Erden, steht die Form aus Lehm gebrannt. Genau so, wie es Friedrich Schiller in der berühmten “Glocke” beschreibt, erleben es die Besucher und der verstaubten Werkhalle. Nur der Ofen wird nicht mit Schillers Holz vom Fichtenstamme angefeuert.
Jetzt Gesellen, frisch, prüft mir das Gemisch. Ob das Spröde mit dem Weichen, sich vereint zum guten Zeichen. Wohl! Nun kann der Guss beginnen, schön gezacket ist der Bruch, doch bevor wir`s lassen rinnen, betet einen frommen Spruch. Es wird still in der Halle des 1725 gegründeten Unternehmens, dessen 25 Mitarbeiter nach Angaben von Christiane Bachert pro Jahr noch etwa 50 Glocken gießen. Pfarrerin Sabine Tümmler und die Gruppe beten: “Dreieiniger Gott, heute ist der große Tag gekommen. Wir freuen uns, dass nun die Glocke für die Kilianskapelle gegossen wird.”
Die Pfarrerin spricht von einem besonderen Moment, “und wir sind dankbar, dass wir durch das Engagement vieler Unterstützer gemeinsam dieses Ziel erreichen konnten”. Möge der Guss gelingen, betet die Gemeinde: “Und möge schließlich das Geläut unserer Glocke zur Freude und zum Segen der Menschen in Büchenwerra erschallen, dass sie uns Einheimische, aber auch die vielen Wanderer und Radler am Fuldaufer zum Gebet, zur Stille und zur Einkehr rufen kann, damit Glaube, Hoffnung und Liebe in unserem Leben wachsen und reifen können”. Schließlich wünscht die Pfarrerin, dass die Glocke zur Hoffnung, zum Trost, zur Mahnung und zum Frieden erklinge.
“In Gottes Namen, Metall”, sagt Christiane Bachert. Es ist ein einmaliges Erlebnis, wenn das rot glühende, brodelnde Erz wie ein Lavastrom in der Form verschwindet.
Beim Glockenguss muss absolute Ruhe herrschen. Wie ein zäher Brei zischt die Glockenspeise. Sie speit Feuer und Flamme. Glocken werden in einem flammenden Inferno gegossen. Funken stieben. Mit der Lava entweicht Qualm. Die Männer in den Schutzanzügen gießen Musikinstrumente zu Ehren Gottes. Traditionell immer freitags, dem Sterbetag Jesu Christi. Nach den Fürbitten und dem Vaterunser singt die Gemeinde “Lobet den Herren”.
Für die Gießer bleibt noch viel Arbeit. Schwingt den Hammer, schwingt, bis der Mantel springt. Wenn die Glock` soll auferstehn, muss die Form in Stücke gehn, beschreibt Schiller das Herausnehmen aus der Form. Erst nach einer Woche steht fest, ob der Guss auch vom Klang her gelungen ist. Und schon Schiller wünschte: “Freude dieser Stadt bedeute, Friede sei ihr erst Geläute.”

Jede Glocke ist ein Unikat.
Keine Glocke gleicht der anderen, erfährt man beim Guss. Die Glocke für die Kilianskapelle wird im Schlagton a erklingen, 60 Kilogramm wiegen und einen Durchmesser von 42 Zentimetern haben. Der Glockengießer errechnet je nach Ton und Durchmesser die Rippe. Dieses Profil der künftigen Glocke wird auf ein Brett aufgezeichnet, das ausgeschnitten und zur drehbaren Schablone wird. Die Form wird nach wie vor aus Lehm hergestellt. Vier bis fünf Wochen dauert das, weil alle Formteile langsam trocknen müssen.

Von Manfred Schaake
Karlsruhe/Büchenwerra.

Kult-Kapellisches in Büchenwerra
Religiöses/Musik/Literatur
In den Sommermonaten Juni, Juli und August finden jeden Sonntag um 17 Uhr kulturelle Veranstaltungen statt.

Impressionen Kilianskapelle Büchenwerra

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