Info-Ecke des Bürgermeisters

Info-Ecke des Bürgermeisters

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

Deutschland ist derzeit im Urlaubs- und Ferienmodus, aber das Weltgeschehen nimmt darauf keine Rücksicht.
Das musste jetzt auch der Bundesaußenminister Sigmar Gabriel erfahren. Wegen der Verhaftung des deutschen Menschenrechtlers Peter Stendler aus Berlin und weiterer Aktivisten in der Türkei musste er seinen Urlaub unterbrechen. Der Job geht halt vor. Das gilt sicher auch für andere Spitzenpolitiker oder Führungskräfte aus der Wirtschaft gleichermaßen. Doch was ist das für ein Urlaub, wenn man nicht wirklich abschalten kann, weil man auch dort ständig mit seinem Ministerium oder seinem Büro online in Verbindung steht. Sicher gibt es auch Normalbürger, die ständig – auch im Urlaub – ihre E-Mails checken oder per Whats-App oder Twitter kommunizieren. Das ist aber Freizeitvergnügen oder schlicht Gewohnheit und ohne die Konsequenz, mit denen Verantwortungsträger und Entscheider immer - und eben auch im Urlaub - leben müssen.
Vielleicht lernen solche VIP´s mit dem Dauerstress umzugehen und können auch unter diesen Bedingungen ihrem Urlaub einen gewissen Erholungswert abgewinnen. Zu wünschen wäre es ihnen und ihren Familien allemal.
Die aktuellen Nachrichten erreichen uns über die modernen Kommunikationsmöglich-keiten immer, zu jeder Zeit und überall, wo wir uns auch befinden. Die schlimmen Dinge, die wir täglich hören, sehen oder lesen verdrängen die guten Nachrichten und lassen die Welt oder die Zustände bei uns in einem mitunter viel schlechteren Licht erscheinen, als sie es in Wirklichkeit sind. Die allermeisten von uns haben ihr Auskommen, ob als Erwerbstätige oder als Rentner. Um unser Gesundheitssystem werden wir von vielen beneidet. Auf Grund der guten medizinischen Versorgung werden wir immer älter und das trotz Dieselgate, auch in den städtischen Ballungsgebieten.
Unser Rechtsstaat funktioniert, trotz linker und rechter Randgruppen, trotz der Ausschreitungen um den G-20 Gipfel in Hamburg und Pannen in der Terrorismusbekämpfung. Unsere Justiz ist unabhängig, die Arbeitsweise aller staatlichen Verwaltung geregelt und juristisch überprüfbar.
Dass dies nicht überall so ist, wird einem bewusst, wenn man mit Menschen die aus dem Ausland kommen, spricht, die für ein paar Tage bei uns Gast sind, um unser Land und unsere Lebensweise kennenzulernen.

Zum Beispiel die brasilianische Reisegruppe aus Jao Pessoa, der Hauptstadt des Bundesstaates Paraibo im Norden Brasiliens. Gelegenheit zur Begrüßung hatte ich vor einigen Tagen, als ich sie in unserem Rathaus willkommen heißen konnte. Am letzten Samstag revanchierten sie sich mit einer Einladung zu einem brasilianischen Abend im „Söhrehof“ in Dörnhagen. Der „Söhrehof“ ist schon seit ein paar Jahren der Treffpunkt für alle brasilianischen Jugendgruppen, seit Dieter Elsner, unterstützt von Guxhagener Familien den Austausch organisiert. Aufhänger war und ist der Fußball, der in Brasilien, mehr noch als in Deutschland einen hohen Stellenwert hat. Viele Jugendliche, Jungen wie Mädchen, träumen von eine Profikarriere, bietet sie doch einen Ausweg aus der wirtschaftlichen Misere, die ganz Brasilien erfasst hat und das fünftgrößte Land der Erde nicht über den Status eines Schwellenlandes hinauskommen lässt.

„Das Land ist von den Politikern aller Couleur durch Korruption und Misswirtschaft zerstört“ so Rainer Büscher Der 50-jährige, dessen Eltern Ende der 60ziger Jahre nach Brasilien auswanderten, wuchs dort in Sao Paulo auf. Nach Beendigung seiner technischen Ausbildung, wollte er 17-jährig, Deutschland kennenlernen. Er kehrte zurück nach Erlangen, seinem Geburtsort und fand als E-Techniker eine Anstellung bei Siemens. Diese Arbeit führte ihn nach 2 Jahren wieder zurück nach Sao Bernardo do Campo, dem Detroit Brasiliens, wie er es formuliert. Alle namhaften Autobauer unterhalten in der 800.000 Einwohner zählenden Stadt Fertigungsstandorte, Teileproduktion und Entwicklungszentren. In Fuldabrück habe er in 2002 eine Zeit lang gewohnt, als er wegen eines Projektes mit VW in Baunatal zusammen gearbeitet hat. Mit dem Wirt des Söhrehofs verbindet ihn seitdem eine enge Freundschaft.
Mittlerweile mit einer Brasilianerin verheiratet und Vater zweier Söhne, habe er eine guten Leben geführt. Rainer lebt und arbeitet zurzeit in Stuttgart. Sein ältester Sohn und seine Frau kommen Ende des Jahres ebenfalls nach Deutschland. Es sei ihm nicht leichtgefallen, sein Leben und seine Arbeit in Brasilien aufzugeben. Die Kriminalität in einigen Bereichen ist sehr hoch, eben weil die Jugendlichen keine Perspektive hätten.
Nach einem Überfall durch eine Jugendgang beim Picknick am Strand, war auch seine Frau überzeugt, dass Brasilien nicht mehr ihre Heimat sein könnte. Seine Kinder und auch er und seine Frau wollen in geordneten Verhältnissen leben und nicht Angst haben müssen, am hellichten Tag an einem öffentlichen Strand wegen ein paar materieller Dinge erschossen zu werden. Er liebe Brasilien, das Land und seine Menschen, aber die Sorge um seine Familie geht vor.
Fragt man die brasilianischen Jugendlichen, welchen Eindruck sie von Deutschland mitnehmen, so sagen sie, die Ordnung und Sauberkeit und die Disziplin der Deutschen. Das hat ihnen imponiert. Das deckt sich übrigens auch mit dem Eindruck, der an diesem Abend ebenfalls eingeladenen Flüchtlinge, die Dieter Elsner in seiner Eigenschaft als Sportcoach der Gemeinden Guxhagen und Körle in die Begegnung mit den Brasilianern eingebaut hatte. Auch die Tatsache, dass die Refugee-Fußballer gegen ihre brasilianischen Freunde gewonnen hatten, tat der ausgelassenen Stimmung keinen Abbruch. Erst recht nicht, nach dem tollen Breakdance-Auftritt von Hussein Al-Tahami, Etris und Dawood Faqierzad und Raman Ibrahim, die als „Zero Bad Boys“ alle Anwesenden zu Beifallstürmen hinrissen.

Und Rainer? Er könnte sich vorstellen, als Koordinator zu fungieren, junge Brasilianer in Ausbildungs- oder Arbeitsstellen nach Deutschland zu vermitteln. So wie Karla, die z. Zt. als Au-pair in Stuttgart arbeitet, oder Stefanie aus Stuttgart, die Dolmetscherin, die zuvor als Au-pair beim Chef der brasilianischen Delegation, Sergio Meira, gearbeitet hat. Rainers Firma, ein weltweit agierender Kabelhersteller, hat ihm jede Unterstützung für den Arbeitskräftetransfer zugesagt, denn im Stuttgarter Raum herrscht Arbeitskräftemangel. Dort gibt es eine große brasilianische Gemeinde mit über 3.000 Mitgliedern, die untereinander und mit ihrer Heimat sehr gut vernetzt sind.
So gesehen bot dieser Abend nicht nur Ausdruck brasilianischer Lebensfreude, sondern auch einen Ansatz, die neu gewonnenen Kontakte zu vertiefen, ggf. mit dem Ziel in Deutschland eine Ausbildung anzustreben.
Mit herzlichen Grüßen aus dem Guxhagener Rathaus

Ihr Bürgermeister
Edgar Slawik


Copyright © 2017 Gemeinde Guxhagen.
designed by: www.nicoma.de