Würdige Gestaltung der Grabstelle Willy Hermann Tietz auf dem historischen Anstaltsfriedhof in der Breitenau

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Würdige Gestaltung der Grabstelle Willy Hermann Tietz auf dem historischen Anstaltsfriedhof in der Breitenau

Anerkennung als Ehrengrab vollzogen

Willy Hermann Tietz, seine Ehefrau Amanda und sein Sohn Horst wurden aus antisemitischen Gründen verfolgt und 1943 in Gestapo-Haft genommen. Im „Arbeitserziehungslager“ Breitenau starb Willy Tietz am 23.04.1944 infolge der unmenschlichen Haftbedingungen. Am selben Tag wurde sein Sohn ins KZ Buchenwald deportiert. Seine Frau war bereits am 22.04. ins KZ Ravensbrück überstellt worden. Von ihrem Tod am 6.06.1944 erfuhr Horst Tietz erst Wochen später. Die näheren Umstände ihres Todes sind bis heute nicht geklärt. Nur der Sohn Horst Tietz erlebte die Befreiung.
Obschon Willy Hermann Tietz als Jude verfolgt wurden, ist sein Grab auf dem historischen Anstaltsfriedhof in Guxhagen-Breitenau bis heute nicht in die Gräberliste für öffentlich-gepflegte Gröber aufgenommen. Damit gilt es offiziell nicht als Grab eines Opfers der NS-Gewaltherrschaft. Dieses Versäumnis geht auf das Jahr 1960 zurück, als die Exhummierung der Gebeine von Opfern des „Arbeitserziehungslagers“ zur Umbettung auf die Kriegsgräberstätte Ludwigstein angeordnet wurde.
Horst Tietz und seine Töchter versuchten in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach vergeblich, das Grab als „Grab eines Opfers der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ anerkennen zu lassen.

Um dem Grab neben der kirchlichen auch die staatliche Anerkennung zu verleihen, kam die Anerkennung als Ehrengrab in die Diskussion.
Der Kirchenvorstand der ev. Kirchengemeinde Guxhagen befürwortet dieses Vorgehen ausdrücklich.

Erklärtes Ziel war, dass die Gemeinde Guxhagen mit der Anerkennung als Ehrengrab ihrer historischen Verantwortung nachkommt und symbolisch den Nachkommen von Willi Hermann Tietz die Hand reicht. Die Gemeindevertretung hat diesen Beschluss in ihrer Sitzung am 19.07.2022 gefasst.

Das Einzelgrab von Willy Tietz war bislang nur durch ein schmuckloses Holzkreuz markiert.
Gemeinsam mit der ev. Kirchengemeinde, der Gedenkstätte Breitenau, der Familie Tietz wurden Gestaltungsvorschläge mit einem Planungsbüro erarbeitet, um dem Ehrengrab eine würdige Gestaltung zukommen zu lassen.
Erfreulich war, dass diese Maßnahme im Rahmen des Regionalbudgets 2022 aus Mitteln zur Förderung der ländlichen Entwicklung gefördert wird. 

Insgesamt sind Aufwendungen in Höhe von 7.359,71 € entstanden. Hierzu erhält die Gemeinde Guxhagen eine Zuwendung in Höhe von 5.888,00 €.